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Begegnungen der schwäbischen Art

Mein Opa war a Schwoob vom Kopf bis zur Sohl.
Wenn’s om’s sprichwörtliche Spara ganga isch war er emmer vorne dra.
Au beim Viertele schlotza war d’r Opa gern mit von d’r Partie.
En guada Trolllinger hodd er nedd vorachtet. Ond hin und wieder
amol a Schnäpsle hodds scho au sei dürfa...
Gut, er hat öfter mol oin über da Durscht dronga
ond hendadrae für sae Frau älle bloß erdenkliche
Kosenama aus seim recht omofangreicha Regischdr zoga.
Doch wegam Jugendschutz, han i mi diesbezüglich zrückghalta...

D’ Oma hat emmer gmoint:“Er isch halt wia ´ner isch. Aber so isch’r scho recht.“

Ja, ond so war er: bruddalich, schbaarsam, emmer uff Droht,
hälenga, schaffig, kurz gsagt: A schwäbisch Unikum.

Was mae Opa älles mit ons drei Weiber,
also seiner Frau, seiner Tochter ond mir, seim Enkele
midmacha hodd müssa, isch uff dui Art verewigt.

Wenn er des domols scho gwisst hedd...

ALT JOHR OBEND
Silvester auf schwäbisch

HEILIGE NACHT
Heiligabend einer schwäbischen Art

HEIMELICHE WÄRME
Horrorvisionen vom Anzünden des Ölofens

HOORIGE ZEITA
Haareschneiden mal anders

 

 Alt Johr Obend

Wenn andere sich iborlegt hen, was se am Silvester für an Spektakel macha sollad,
hod mein Opa ganz andere Sorga ghet. Solang’s no Dag war, send zerscht amol uff
am Balkon älle Sacha weggräumt worda, wo Feier fanga heddad könna.

Mor woeß jo nia, was dene Lausbuaba, mit ihre Knaller ällas aefallt, hod d’r Opa gmoend
ond des au lautstark jeden wissa lassa.
Wenn’s no langsam Nacht worda isch, isch au em Opa sei Silveschterstimmung gschdiega.
Mid jedem Kracher, den’s draußa do hod, isch er uffgspronga. Soford isch nausguggd
worda, ob ällas en Ordnung war.

Ons drei Weiber – d’ Frau, d’ Tochter ond ’s Enkele - hat des Geknalle weniger schalu
 gmacht, wie dem Opa sei ewigs Gebruddl.
Obwohl mir seine Horrorvisiona tapfer ignoriert hen hod ons die Jubel Trubel Heiterkeit
Stimmung aus am Fernseh ned so arg mitreißa wella.
En dr Schduuba war’s saukalt, weil dr Opa jo ständig hin ond hergsaud isch.

Während’s draußa emmer meh kracht ond böllert hod isch langsam dr Krach no au bei
ons losganga. Onser Vorschlag, dr Opa soll doch glei drussa uffam Balkon bleiba, war wohl
doch zviel. „Wägga eich kennt jo d Bude abfaggla, traurige Menschr!“ Hodr Opa gmoend
ond hod sich no a Gläsle Glühwae aegschengd. Von wega Judafirzla oder Leuchtraketa!

S’ einzige was bei ons gleuchtet hod, war em Opa sei knallroter Kopf, den er em Jäschd
 emmer griagd hod.
Wennr ons amol wieder ällas ghoißa hod, bloß nix rechts, wenn mir no am alt Johr Obend
ons’re Sonndichsnama griagd henn, no hods manchmol scho am naene zwelfe gschlaga.

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Heilige Nacht

Der Herr ist gut in dessen Dienscht wir steh’n,“ tönts aus am Bad. Dr Opa isch grad no beim
Rasiera ond jedes Familenmitglied woiß, dass der chrischtliche Song aus am Opa sei’ra
Kehle ons nedd täuscha kann. En spätestens zwoi Stond, isch’s vorbei mit seiner guada
Laune.

Dr Chrischtbaum liegt no uff am Balkon ond d’ Glaskugla send no em Keller.

D’ Oma wünscht sich, dass der Heilige Obend scho vorbei wär ond sie oimol a Stille Nacht
erläba dürft. Doch des wird au des Johr wieder nedd aetreffa.

Spädeschdens wenn dor Baum em Wohnzemmer stoht, ond gmacht isch, hodd em Opa
sae guade Laune ihr’n Tiefpunkt erreicht!

Späteschdens, wenn de erschde Kerza brennad, isch’s aus mit am Frieda.

Doch em Moment isch no nedd so weit.

Während dr Opa lautschdark da Stamm vom Bäumle absägt, dass der endlich en den
Chrischtbaumständer naebasst, hol i scho amol d’ Kugla aus am Keller.

D’ Oma kochd en dr Kiche Kardofflschnitz ond Schbätzla. Seid Jahren isch se drom
bemüht, dära Chrischtbaum-Aktion aus am Weg zum ganga ond do duad se au guad dra.

Endlich stoht dor Baum grad! Lametta hangt wirr über de Äschd ond de erschde Noodla
von derra Fichda fahrad uff am Deppich rom. Aber des werdad nedd de ledschde sae.
Deswäga ignorierd mor se oifach.
Schee siehts aus onser Bäumle. Vielleicht a bissle schreeg, doch dor Opa duldad nedd,
dass mor jetzt nomol naalangt. Erschd ledschds Johr hodds bei so ra Aktion da Baum
schiergar omgschmissa.

I kanns kaum vorwarda, bis endlich Obend wird. Meine Gschenkla sen scho lang aeipackt.
Dor Opa griagt des Johr a Musikkassette von mir. I han heimlich uffgnomma, wenn’r gfluacht
 ond d’ Oma drangsalierd. hodd.

En dor Kiche duads en Millionsschlag. Dor Oma isch d Spatzaschissl mitsamt am Doig
naghagld. Ond jetzt schällt au no s Telefon.
Dor Opa good nedd na. Für ihn isch’s Telefon emmer no a Deiflsapparat, dem er nedd traut.
Wer woiß, ob mor nedd doch en Stromschlag griagt, wenn mor den Hörer ans Ohr naabrengt.

Also heb i hald ab. S’ isch d’ Tante Fanny. Se froogd, ob se ons morga middag bsucha derf.
 Zom Weihnachts-kaffee. I sag hald mol ja ond stell mir scho vor, wie luschdig der morgige
Nochmiddag werda wird.

D’ Tante Fanny ond dr Opa kennads nämlich guad mitnander. Vor allem nocham zwoida
Viertale.
Em Hendergrond hör i jetzt ein Mordsspektakel. Dor Opa, dem dui zu Bruch gangena
Schüssl nedd vorborga blieba isch, hodd d Kiche betreta ond machd d’ Oma rond.

„Du Grasdaggl“, her i von weidam, ond sag zur Tante Fanny, dass mir ons scho fraead,
wenn sui morga kommd.
„Scherba brengad Glück“, schrei i laud, nochdem i da Hörer wieder aufglegt hab.

Nochdem dr Opa ons deutlischd gsagt hodd, was mir für Menscher sen, goht er wieder
narrad end Stub nae. Ja, ja, er hodds nedd leicht mit ons drei Weiber. Sae Frau, sei Tochter
ond au no d’ Enkltochter – des sich scho a hards Los...
Während d’ Oma en neia Doig arührt, erfährd se von mir, dass morga d’ Tante Fanny zu ons
kommt. Vor lauder Begeischderung isch der Schbatzadoig en null komma nix ferdich.

Endlich ischs soweit. Bescherung!!! Nochdem mir - wie jeden Samstagobend - au heid wieder
Pastaschutta gässa hen, nochdem dor Opa wieder sain Kommentar über den
„Schlawagga-fraß“ losworda isch, kanns endlich losganga.
Während i die Kerza am Baum azend, schreid dor Opa wia wild hendor mir: „Bass uff, dass
 de den Baum nedd omschmeisch.“

Stille Nachd wird aschdemmt. Dor Oba sengd nedd mid. Saine Auga hangad wie hypnotisch
an de Kerzaflamma. Noch dor zwoida Strophe blooß I di Kerza wieder aus, weil dr Opa scho
ganz rabiat isch.
„So ein Saugschdank“, moint dr no glei druff, denn dr Kerzarauch ziegd ausgrechend en sae
Richtung.
Gschenkbabier sammelt sich kurz druff uffam Boda. I woeß, dass dr Opa dui aepackerei bloß
als nausgschmissenas Geld aaguckt, deshalb wird des Papier später wieder sauber
zammagfaldad ond fürs nächschte Johr en’ ra Schachdl uffghoba.

Älle send glücklich, alle send froh ond des Leuchda en maem Opa seine Auga isch zum Teil
au a Freud. Der andere Teil kommt von seim dritta Viertele.
Stille Nacht, heilige Nacht. Em Fernseh kommd au nix gscheids, deshalb sitzad mir wenig
später älle vier – d’ Oma, dr Opa, mae Muddr ond i - om da Schdubadisch ond spielad
„Mensch ärgere dich nicht.“
Da Opa lassa mor heid amol vorsichtshalber gwenna...

 

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Ölkrise

Om d’ Weihnachstzeit rom, genauer gsagt eigentlich da ganze Wender über, hodd
mai Oma emmer a schwers Los ghett, denn dor Opa isch Wenders nedd so oft en sai
Gärtle ganga.
Do dorfür hodd er peinlichscht genau dorhoim uffbasst, was mai Oma da ganza Dag
so duad ond des entschbrechend kommentierd.
Vor ällam war er schwer druff aus, dass der Ölofa nedd so hoch gschalda wird.

D’ Oma, hodd kaum a bissle höher dreht, no isch er kurz druff scho am Ofadierle
ghangt ond hodd da Ölhahna wieder z’rück dreht. Des Spiel isch no ällamol so lang
ganga, bis r so narrad war ond zu weid radreht hodd, so dass dr Ofa ausganga isch.

No isch’s ons aber älle gschwend warm worda!

D’ Oma hodd älle Hailige vom Hemml ragschompfa, weil ´s Ofa azenda nedd grad zu
ihrer Lieblingsbeschäfdigung ghört hodd.
Obwohl d’ Oma als Oinzige von d’r Familie gwisst hodd, wie mor den Kachlofa wieder
en Gang brengt, isch d’r Opa jedesmol dorhender gschdanda ond hodd seine lautstarke
Aweisunga geba.
Ond wehe, der Ofa hodd nedd glei wieder brennt! No hodd’r gschbonna, d’r Opa.
Zum Gligg isch’s nie zu derra Millionsexplosion komma, die er ons jedesmol prophezeit
hodd, wenn z’viel Öl raesaut.
Zum Gligg hodd d’Oma emmer wieder ällas en Griff kriegt.

Wenn d’r Ofa no wieder bollert hodd, wenn sich d’r Opa langsam wieder bruddalich
ens Wohnzemmer zriggzoga hodd ond mir wieder g’sagd griagt hen, dass mor
aushausige Menscher seiad, no hodd’s ao von ons koin me gfrora.

 

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Hoorige Zeida

Mai Opa war emmer druff aus, dass g’spart wird wo’s bloß goht. Deshalb hen mir – saene
Weibor wia er ons drei emmer koisa hodd – denkt, mir machad ihm a große Fraed, wenn
mr ihm a Hoorschneidmascheena kaufad ond er so ´s Geld fir da Frisör spart.
D Oma hodd des Gerät en’ra Azeig en dr „Heim und Welt“ gsäa ond glei bschdelld. Se hodd
gmoint, des wär a schees Weihnachtsgschenk für da Opa.
Scho beim Auspagga am Heilig Obend hodd mor de erschde Zweifl ghett, ob des wirklich
s’ richdige fir da Opa war.
Am zwoida Feierdag hann i ’s schließlich nemme vorwarda kenna ond den Vorschlag gmacht
dass mor des Gerät schnellschdens ausbrobiera sodd – em Falls äbbas hee wär...
Dor Opa hodd sich schließlich murrend gschlaga gäa.

Zum Gligg isch des Gerät ohne Strom gloffa. Mor hodd’s bloß en ´d Hand nemma missa
ond an zwoi Edelstahlhebl zammadrugga. Dia Messerla em ondera Doil von derra Maschena
hen d’ Hoor no wia von sälber ragschnidda. Budderwoich!!! So isch’s jedenfalls en d’r
Gebrauchsaweisung gschdanda.
Dicht an d’r Kopfhaut fahr i also mit dem Schlidda von d’r Maschena uff am Opa saem
Kopf entlang, während i dia Hebl zammadruck. Ganz vorsichdich nadiirlich.

Die erscht Baah isch des au prima ganga. Em Opa saine Hoor send no so nausg’spritzt, so
dass I glei en Zagga zuag’legt ond a bissle forscher gschnidda han. Noch etwa zwoi
Zentimeter Schneidweg hodd d’r Opa en Schroi nausglassa ond hodd gfluacht wia
Rohrschbadds, weil ’s scheints uff oimol so saumäßig g’ropft hodd.
I han uff en naegschwäddsd wia uff en kranka Gaul, aber es war nix zu macha. Dem Opa
sae Kopf isch rom ond nomm gfaahra ond saene wiaschde Fliach hen gar nedd zu dene
Weihnachtskläng em Hendergrond bassa wella....

Gottlob hod sich des Gerät so en saine Hoor vorhoogd ghett, dass wenigschdens nedd
nahagla hodd kenna.

Irgendwann isch no derra Mascheena wohl au ds’domm worda ond se hodd sich freiwillig
 vom Opa saim Kopf g’löst. No isch’s aber erschd richdig losganga...
Dor Opa hodd so guat wie i gwisst, dass er mit dem Hoorschnitt nedd onder d’ Leit kaa.
 Dia anderthalb Bahna an saim Henderkopf heddad vielleicht en d’r Punkszene wenig
Aufseha erregt, aber Midde de Sechziger hodd mor so äbbas no nedd kennt.

Noch a baar Minuta, han i da Opa endlich überreda kenna, dass mir weidermacha missad.

Mit jedam Schnitt, den dia Messerla do hen, han i beted, dass sich kois meh em Opa seim
schdärcha Hoor vorfangt.
´S hodd scho no a baarmool g’ropft, aber ´s Gröbschte war überstanda.
Ond dass d’r Opa koin Spiagl wella hodd zum sich von henda az’gucka war au recht!!
´S hodd nämlich scho a baar Schnitzer dren ghett, aber des hann i für mi b’halda.

D’ Oma, die den Zirkus nedd live midd erläba hodd wella ond sich während därra Zeremonie
en d’ Kiche vorzoga hodd - isch jetzt au wieder en d’ Stub raikomma.
Längschd hodd ao sui den Aefall midd därra Hoorscheidmaschena nemme so toll gfonda.

Zum krönenda Abschluss hodd d’ Oma em Opa seine Nasalecher - ond d’ Ohrahoor no
schneida derfa ond nedd bloß i han gwisst, dass des heid a b’sonders hoorige Sach werda
wird.

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